Zweiter Weltkrieg: Ganz London liebte den Spatz, der Hitler parodierte

Zweiter Weltkrieg Ganz London liebte den Spatz, der Hitler parodierte

Im Zweiten Weltkrieg verzückte ein Spatz die Bevölkerung Londons (Symbolbild)

Im Zweiten Weltkrieg verzückte ein Spatz die Bevölkerung Londons (Symbolbild)

© Yoko Miwa/ / Picture Alliance

Als die Deutschen 1940 London bombardierten, suchte die Bevölkerung Schutz in den Bunkern. Und verliebte sich dort kollektiv in einen kleinen Spatz, der den Erzfeind imitieren konnte.

Nach der Kapitulation Frankreichs stand Großbritannien im Sommer 1940 plötzlich allein im Kampf gegen Nazi-Deutschland. Adolf Hitler wollte das Land unbedingt bezwingen, um für seinen geplanten Überfall auf die Sowjetunion den Rücken freizuhaben. Deshalb ließ er im Herbst 1940 Tausende Bomben auf britische Städte niederregnen, um die Moral der Bevölkerung zu brechen. In Großbritannien gingen die deutschen Luftangriffe als “The Blitz” in die Geschichte ein.

Vor allem London wurde im Herbst 1940 zur Zielscheibe der Nazis. Konzentrierten sich die deutschen Bomber anfangs vornehmlich auf die Docks an der Themse, wurden später auch zivile Ziele attackiert. Wenn die Sirenen heulten, suchten Männer, Frauen und Kinder Schutz in den Bunkern der Stadt. Hier harrten sie stundenlang aus, bis das Inferno endlich vorüber war.

In der Enge der Bunker wurde in diesen Tagen ein kleiner Spatz zum Star: Er gehörte Clare Kipps, die in London beim Zivilschutz beschäftigt war und konnte diverse Kunststückchen vollführen, mit denen er die Herzen der Briten eroberte. Der talentierte Vogel, den Kinder im Bunker Clarence tauften, wurde zum Symbol für den Widerstand.

Der Spatz, der Fliegeralarm …

Als die Lazarettschwester Clare Kipps im Sommer 1940 von einem Einsatz nach Hause zurückkehrte, entdeckte sie einen winzigen Vogel, der aus seinem Nest gefallen sein musste. Kipps rettete das Vögelchen und päppelte es mit Milch und viel Hingabe wieder auf. Der kleine Spatz dankte es mit inniger Zuneigung und wurde fortan zu Kipps Begleiterin. Schnell stellte Kipps fest, dass der Vogel sehr gelehrig war. Sie brachte ihm kleine Kunststückchen bei, mit denen er im Bombenhagel die verängstigten Menschen zumindest kurz ablenken konnte. So konnte er Spielkarten blitzschnell mit dem Schnabel wenden, ein Lied tschilpen und im Ballettschritt laufen.

Einer seiner Klassiker war der “Fliegeralarm”: Dabei formte Kipps mit ihren Händen eine kleine Höhle. Wenn sie laut “Fliegeralarm” rief suchte der Spatz Schutz unter ihren Händen. Sofort suchte der Spatz Schutz in ihren Händen. Erst bei “Entwarnung” verließ er die Schutzhöhle, unter johlendem Applaus des Publikums.

… und die Hitler-Imitation

Die beliebteste Nummer war jedoch seine Imitation von Erzfeind Adolf Hitler. In ihrem Buch “Clarence der Wunderspatz”, welches Clare Kipps nach dem Krieg über ihren tierischen Begleiter schrieb und seine Entwicklung für Vogelkundler detailliert festgehalten ist, heißt es: “Seine berühmten Hitler-Reden, wie die Kinder sie nannten, hielt er uns zur Erbauung mit zum Hitler-Gruß erhobenen Flügel und sie nahmen an Länge zu, bis sie mit ganz kurzen Atempausen volle dreieinhalb Minuten dauerten.” Er tschilpte immer schneller und lauter, bis er schließlich erschöpft umfiel. Eine Kunstnummer, an der sich die Briten in diesen dunklen Stunden kaum satt sehen konnten.

Spatz Clarence wurde schnell zum Liebling der Londoner Bevölkerung. In Presseberichten wurde er gefeiert. Sein Bild wurde auf Postkarten gedruckt, die sich “like hotcakes” zu Gunsten des Britischen Roten Kreuzes verkauften.

Die Liebe zu seiner Ersatz-Mutter hielt ein Leben lang. Am 23. März 1952 starb Clarence in der Hand von Clare Kipps.

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