Verkehr: Fahrrad-Abo: Deutschland muss bei Infrastruktur zulegen

Verkehr Fahrrad-Abo: Deutschland muss bei Infrastruktur zulegen

Ein Radfahrer radelt im Bezirk Schöneberg in Berlin. Foto: Monika Skolimowska/dpa

Ein Radfahrer radelt im Bezirk Schöneberg in Berlin. Foto

© Monika Skolimowska/dpa

Seit einigen Jahren schon sind die Fahrrad-Abo-Anbieter Swapfiets und Cycle in Deutschland aktiv. Ein Unternehmen konzentriert sich auf Privatkunden, das andere auf Lieferdienste.

Die Chefs der Fahrrad-Abo-Anbieter Swapfiets und Cycle sehen bei den Bedingungen für Radfahrer in Deutschland noch deutlichen Nachholbedarf.

„Insbesondere zwischen Holland und Deutschland sehe ich noch einen großen Unterschied“, sagte der Zentraleuropa-Chef von Swapfiets, Andre Illmer, der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn man in Holland unterwegs ist, sieht man, dass die Aufteilung der Infrastruktur relativ fair zu jeweils einem Drittel zwischen Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern aufgeteilt ist. In Deutschland ist das nicht so.“

Besonders die jüngste Diskussion um Radwege in Berlin bereite ihm Sorgen, betonte Illmer. „Berlin läuft Gefahr, den Anschluss zu anderen Europäischen Städte zu verlieren. Denn die schaffen mehr Lebensraum – statt Straßen für Autos.“ Die neue Berliner Landesregierung hatte kurz nach ihrem Antritt Dutzende Radwegeprojekte in den Bezirken vorübergehend gestoppt, um sie zu überprüfen. Inzwischen hat der Senat für die meisten Projekte erneut grünes Licht gegeben. Drei Vorhaben wurden allerdings gestoppt.

Debatte in Berlin überrascht

Etwas nachsichtiger bewertet Cycle-Co-Gründer Luis Orsini-Rosenberg die Lage in den deutschen Städten. „Holland ist bei weitem das Land mit der besten Infrastruktur“, meint auch er. „Aber Deutschland ist nicht weit abgeschlagen, vor allem, wenn wir es vergleichen mit Polen oder Italien.“

Dennoch habe auch ihn die Debatte in Berlin überrascht. „Wir sind als Branche sehr gut vernetzt und haben uns schnell organisiert und inzwischen bin ich froh zu sehen, dass die meisten Radwegeprojekte wieder freigegeben sind.“

Bei Swapfiets können Verbraucherinnen und Verbraucher Fahrräder und E-Bikes im Abo nutzen. Bekannt ist die Marke vor allem für die stets blauen Vorderreifen. Das Unternehmen ist inzwischen in 18 deutschen Städten aktiv. Mit dem Abo buchen die Kundinnen und Kunden auch einen Reparatur-Service, den sie bei Problemen zu sich nach Hause bestellen können und der das abonnierte Fahrrad entweder repariert oder gegen ein neues austauscht.

Anzug der Nachfrage

Cycle wiederum verleiht robuste E-Bikes an Großkunden wie Lieferdienste, die damit ihre Fahrer und Fahrerinnen ausstatten. Orsini-Rosenberg hat das Berliner Start-up während der Corona-Pandemie mitgegründet.

„Wir sind 2020 mit vier Mitarbeitern gestartet und hatten zwei Jahre später bereits 130“, sagt er. Die Lieferdienste würden die Fahrräder häufig langfristig bei Cycle leasen. Von den Problemen mancher Anbieter und der Konsolidierung der Branche sei Cycle deshalb nur bedingt getroffen gewesen. „Inzwischen sehen wir bei den Essenslieferungen wieder einen deutlichen Anzug der Nachfrage.“

Auch Swapfiets verleiht E-Bikes für den gewerblichen Einsatz. Der Großteil der Kundinnen und Kunden sind aber private Nutzer. Wie auch der Rest der Fahrradindustrie verzeichnet das Unternehmen eine deutliche Nachfrage nach E-Bikes.

„Die elektrischen Fahrräder machen inzwischen zwischen 15 und 20 Prozent des Abo-Geschäfts aus“, sagt Europachef Illmer. „Am Anfang waren wir vor allem bei Studierenden stark nachgefragt.“ Mit dem E-Bike-Angebot kämen nun auch zunehmend ältere Kunden.

dpa

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