Kritik am Lockdown: Manipulativ und infam: Warum Marlene Lufens Video keine Aufmerksamkeit verdient

Kritik am Lockdown Manipulativ und infam: Warum Marlene Lufens Video keine Aufmerksamkeit verdient

Marlene Lufen auf Instagram

Marlene Lufen hat auf Instagram viele Fakten zusammen getragen, die sie mit dem Corona-Lockdown in Verbindung bringt.

© www.instagram.com/marlenelufen/

Zehn Millionen Menschen haben bereits ein Video gesehen, in dem die Moderatorin Marlene Lufen die Folgen des Lockdowns thematisiert und wichtige Punkte anspricht. Applaus hat sie dafür jedoch nicht verdient: Der Clip ist manipulativ und voller infamer Unterstellungen.

Haben Sie das Video auch schon gesehen? Vielleicht sogar geliked und ihren eigenen Followern weiterempfohlen? Fast zehn Millionen Menschen haben bislang den Clip abgerufen, den TV-Moderatorin Marlene Lufen am Sonntag auf ihrem Instagram-Account hochgeladen hat.

Weshalb dieses 14-minütige Video den Nerv so vieler Bürger getroffen hat, ist leicht ersichtlich: Die 50-Jährige spricht zahlreiche gesellschaftliche Probleme an, die der Corona-Lockdown verursacht oder verschärft hat – und die derzeit in der öffentlichen Debatte kaum Berücksichtigung finden.

Lufen hat nach eigenen Aussagen viel recherchiert und dabei Daten zusammengetragen, die tatsächlich erschüttern: Ob es die Zunahme von psychischen Krankheiten wie Depressionen und Magersucht oder der Anstieg häuslicher Gewalt vor allem gegen Kinder ist – auf verschiedenen Feldern zeigen sich dramatische Tendenzen, die Lufen mit der Corona-Politik der Bundesregierung in Verbindung bringt. Sie erinnert auch an die großen Existenzängste, die Frisöre, Eventmanager und zahllose Kleinunternehmer gerade ausstehen. 

Hätte sie es dabei belassen – man könnte das Video guten Gewissens weiterempfehlen. Denn auch wenn nicht alle Tatsachen ganz korrekt sind (lesen Sie hier einen Faktencheck) spricht die Moderatorin des “Sat.1-Frühstücksfernsehens” hier wichtige Probleme an. 

Marlene Lufen verfolgt eine Agenda

Doch leider rahmt sie ihren Fakten-Teil ein und gibt dem ganzen ein politisches Narrativ: Der Lockdown, findet Lufen, ist grundfalsch. So sagt sie das natürlich nicht, sie wendet einen Trick an: Sie betrachtet unsere Gegenwart aus der Zukunft. “Ich hab das Gefühl, dass wir in zwei, drei Jahren zurück gucken auf diese Zeit und dass wir denken, wir haben es falsch gemacht: Der Lockdown war das Falscheste, was wir hätten machen können”, sagt Marlene Lufen gleich zu Beginn des Videos. 

Der Wechsel von der rationalen auf die emotionale Ebene soll hier weitere Distanz erzeugen und die doch recht starke These der Moderatorin ein wenig abmildern: Sie behauptet nichts, sie hat nur ein Gefühl. So verhindert sie, dass ihr die grundsätzlichen Befürworter der Corona-Maßnahmen gleich wieder abspringen. 

Wie ernst es ihr mit ihrer fundamentalen Kritik ist, wird am Ende der 14 Minuten deutlich. “Jedes Mal wenn in den Nachrichten wieder jemand sagt, wir müssen die Zähne zusammenbeißen, hat irgendein Kind zuhause von seinem Vater die Faust im Gesicht, wird irgendeine Frau geschlagen. Überlegt irgendein Jugendlicher in psychischer Not, ob er sich vielleicht von der Brücke stürzt. Das müssen wir wissen, wenn wir einfordern: Einfach mal die Zähle zusammenbeißen.” 

Abgesehen von der infamen Argumentation: Das Argument ist durch nichts belegt: Es gibt keine belastbaren Daten, die belegen, dass die Suizidrate durch den Lockdown gestiegen ist. Und ob es psychisch Kranken besser geht, wenn die Todeszahlen ohne Lockdown in die Höhe schnellen?

Angela Merkel und Gewalt gegen Kinder

Als die Ärzte in den 80er Jahren sangen: “Helmut Kohl schlägt seine Frau”, ging es ihnen nur um Spaß und Provokation. Lufen dagegen ist es ernst: Angela Merkel macht sich mitschuldig an der Gewalt gegen Frauen und Kinder – und mit ihr alle Befürworter ihrer Maßnahmen. Welch ungeheuerliche Unterstellung!

Nun will sich die Berlinerin nicht die Blöße geben und in eine Ecke mit Corona-Leugnern gestellt werden, schon gar nicht mit dem Wendler. So distanziert sie sich artig von allen Querdenkern. Sie akzeptiert also die Existenz des Covid-19-Virus. 

Das daraus sich ergebende Problem der gesundheitlichen Risiken, insbesondere die hohe Sterblichkeit bei älteren Menschen, löst sie mit einem einfachen Trick in Luft auf: Man müsse einfach Pflegeheime besser schützen. 

Risikopatienten leben mehrheitlich nicht im Heim

Eine wohlfeile Forderung – die gebetsmühlenartig auch in Talkshows immer wieder erhoben wird. Doch damit löst man das Problem nicht: In Deutschland leben aktuell knapp eine Million Menschen in Altersheimen – es gibt aber 5,4 Millionen Bürger über 80, dazu 4,1 Millionen Menschen zwischen 75 und 80. Hinzu kommen Millionen Vorerkrankte und andere Risikogruppen. All diese Menschen werden nicht geschützt, nur weil man Altersheime besser abriegelt. All diese Menschen würde man mit einem vorschnellen Ende des Lockdowns in Lebensgefahr bringen. 

Man könnte viele andere Gründe anbringen – etwa die Ängste, die es bei Menschen auslöst, wenn sie beispielsweise ihre Kinder mitten in der Pandemie wieder in die Schule schicken und dem Kontakt großer Gruppen aussetzen müssen. Zudem kann Corona auf bei jungen und gesunden Menschen Langzeitfolgen haben.

All das scheint Marlene Lufen in Kauf nehmen zu wollen. Feiern sollten wir sie dafür nicht.

Sie sind anderer Meinung? Dann lesen Sie hier die Gegenposition

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