Geheimes Vakzin : Die Posse um Putins angebliche Corona-Impfung: Keiner hat’s gesehen, aber alle sollen es glauben

Geheimes Vakzin Die Posse um Putins angebliche Corona-Impfung: Keiner hat’s gesehen, aber alle sollen es glauben

Seinen Urlaub in der Taiga teilt Wladimir Putin gern mit der Welt, nicht aber seine angebliche Corona-Vakzinierung 

Seinen Urlaub in der Taiga teilt Wladimir Putin gern mit der Welt, nicht aber seine angebliche Corona-Vakzinierung 

© Alexei Druzhinin / Picture Alliance

Obwohl bereits drei russische Corona-Impfstoffe zugelassen sind, ließ sich Wladimir Putin bislang partout nicht impfen. Nun soll er sich zu diesem Schritt entschlossen haben. Den Beweis bleibt er allerdings schuldig. Und auch der Impfstoff wird zu einem Geheimnis. 

Wladimir Putin soll es endlich getan haben. Der russische Präsident will sich gegen das Coronavirus geimpft haben – erklärte er zumindest plötzlich in der vergangenen Woche seinen Untertanen. Doch während andere Staatschefs wie Joe Biden sich publik impfen lassen, übt sich Putin wieder einmal in Geheimnistuerei. Niemand hat gesehen, wie Putin geimpft worden ist. Die Vakzinierung habe unter völligem Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden, weil Putin sich dabei nicht gerne von Kameras filmen lasse, erklärte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Man müsse Putin schon aufs Wort glauben, so Peskow.

Die plötzliche Geziertheit des russischen Präsidenten mutet vielen Beobachtern seltsam an. Hatte Putin doch in der Vergangenheit keine Hemmungen, mit nacktem Oberkörper durch die Taiga zu reiten oder in Unterhosen eisbaden zu gehen. Und nun soll ein entblößter Oberarm sein Schamgefühl verletzten.

Noch seltsamer erscheint allerdings die Geheimnistuerei um den Impfstoff, den Putin angeblich injiziert bekommen hat. Um welche Vakzine es sich handeln soll, will der Kreml-Chef partout nicht verraten. Nur sein Arzt wisse, welchen Impfstoff er verabreicht bekommen habe, erklärte Putin. Sein Sprecher Peskow beeilte sich zwar zu konkretisieren, dass es sich um einen russischen Impfstoff handele, aber mehr wollte er auch nicht verraten.

Wladimir Putin seit einem Jahr in Isolation 

Die angebliche Vakzinierung Putins wirft viele Fragen auf. Seit einem Jahr befindet sich der Kreml-Chef in einer selbst auferlegten Isolation. Und das obwohl bereits drei russische Impfstoffe in Russland zugelassen sind und vakziniert werden. Der erste Impfstoff Sputnik V ist bereits seit August vergangenen Jahres auf dem Markt. 

Seit mehr als einem halben Jahr lässt Putin keine Gelegenheit aus, um von dem russischen Impfstoff und seiner Überlegenheit zu schwärmen. Dennoch hat er es bislang vorgezogen, sich lieber in seiner Residenz zu verschanzen, als sich impfen zu lassen. Ein Verhalten, das nicht nur Spekulationen über Putins Gesundheitszustand entfacht, sondern auch die Skepsis gegenüber den russischen Impfstoffen nähert. 62 Prozent der Russen wollen sich laut einer Umfrage vom März nicht impfen lassen. 

Immer wieder hat Putin verschiedene Entschuldigungen für seinen Impf-Unwillen vorgebracht: Zunächst hieß es, der Kreml-Chef falle nicht in die entsprechende Altersgruppe. Später behauptete man, der Impfplan des Präsidenten erlaube ihm erst zum Herbst eine Corona-Impfung. Und nun doch eine Impfung?

Die plötzliche Wortmeldung aus dem Kreml ist jedoch kein Zufall: Erst am 22. März erklärte Putin die Vakzinierung der Russen gegen COVID-19 zur Aufgabe Nr. 1. Doch ob leere Phrasen die Impfbereitschaft im Land erhöhen, bleibt fraglich. An die Vakzinierung Putins wollen viele nicht glauben. 

Am Montag sah sich der Kreml-Chef erneut zu einer Stellungnahme veranlasst: “Müssen wir uns wirklich wie Affen benehmen? Müssen wir es denn zwingend so machen, wie irgendwer irgendwo?”, sagte Putin im russischen Staatsfernsehen und spielte damit auf andere Staatschefs an, die sich in aller Öffentlichkeit impfen lassen. Die Anwesenheit von Medien garantiere nicht die Authentizität der Prozedur. “Wenn jemand auf einer solch hohen Ebene etwas fälschen will, um jemanden zu betrügen, ist es nicht schwierig, dies zu tun”, erklärte Putin. “Man kann die Injektion zeigen. Aber dabei kann man eine Kochsalzlösung spritzen. Oder was auch immer, Sie mögen. Kefir oder Orangensaft”, versuchte sich der Kreml-Chef in einem Scherz. 

Wieder vergaß Putin nicht, die russischen Vakzine zu preisen. “Unsere Impfstoffe sind die besten”, erklärte er im Staatsfernsehen. Ihm seien keine schwerwiegenden Nebenwirkungen bekannt. Auch er selbst fühle sich bestens, betonte er. Nur ein leichtes Ziehen im Arm habe er bemerkt. Welchen Impfstoff er bekommen haben will, verriet Putin jedoch auch bei dieser Gelegenheit nicht.

“Putin hat ein Thermometer auf den Nachttisch gelegt”

Die Staatsmedien lassen unterdessen nichts unversucht, um das Thema weiter zu spinnen. Das regimetreue Nachrichtenportal “Westi” schrieb am Montag: “Es ist bekannt geworden, was Putin wegen der Impfung aufgeben musste”. Und zwar: Sport für ganze drei Tage. “Ich habe kein Hockey gespielt, ich bin nicht ins Fitnessstudio gegangen und ich war auch nicht schwimmen”, erzählte Putin.

“Putin hat nach seiner Corona-Impfung ein Thermometer auf den Nachttisch gelegt”, titelte die Nachrichtenagentur Ria Nowosti am Samstag. Auch Interfax meldete: “Putin behielt nach der Impfung gegen das Coronavirus ein Thermometer in der Nähe”. Das Thermometer auf Putins Nachttisch war für die russischen Staatsmedien interessanter als das Jubiläum am vergangenen Freitag: An diesem Tag wurde Putin vor 21 Jahren zum ersten Mal zum Präsidenten gewählt. 

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